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09.12.2013

Vernetzungstreffen der Gemeinschaften

Von: Arne Bollinger und Kariin Ottmar

Vom 8. - 10.November 2013 kamen in der noch jungen Gemeinschaft „Schloss Tempelhof“ in Baden-Württemberg 45 Menschen aus 21 Gemeinschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen um sich kennenzulernen, gemeinsame Synergien und Projekte und den Aufbau eines deutschsprachigen Gemeinschaftsnetzwerkes auszuloten. Organisation und Leitung des Treffens übernahm das Team des Projektes „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“.

In der deutschen Gemeinschaftsszene gab es schon immer mal wieder Initiativen, die eine Vernetzung der deutschen Gemeinschaften vorantreiben wollte. Doch letztlich schlief bisher jede Initiative nach einiger Zeit wieder ein. 

Nachdem die Welt und wir das Jahr 2012 nun doch überlebt haben, scheint es, als ob ein neuer (Zeit-)Geist weht. Weltweit entstehen immer mehr Ökodörfer und Gemeinschaften. Das Global Ecovillage Network wird größer und größer (die letzte GEN-Konferenz im Juli auf der Schweibenalp war mit über 300 Teilnehmenden aus über 50 verschiedenen Nationen die bislang größte und internationalste) und wird auf der politischen Bühne nun so langsam als „good guy“ wahr- und ernst genommen.

Es gibt mehr und mehr Transformationsforschung (z.B. Forschung zu „Sozialer Innovation“) und nun auch eine Plattform der „Pioniere des Wandels“. In diese Reihe, die einen gesellschaftlichen Wandel immer sichtbarer macht, kann auch unser Projekt „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ gesehen werden, für das immerhin das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit die Finanzierung übernommen.

Wir sollen nicht weniger tun und erreichen, als die Transformation der Zivilgesellschaft voranzubringen. Das Bewusstsein scheint bei den Regierenden angekommen zu sein, dass ein „Weiter so“ - auch wenn das im Moment noch nicht so den Anschein hat – nicht mehr möglich ist. Zwei Möglichkeiten tun sich auf: Den Wandel zu erleiden oder ihn pro-aktiv zu gestalten. Verantwortliche im UBA haben sich auf den Weg gemacht die zweite Möglichkeit einzuschlagen und Transformationsprozesse vorantreiben, z.B. indem sie Projekte wie das „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ finanzieren.

In diesem Kontext muss auch das Vernetzungstreffen der Gemeinschaften gesehen werden, das über das Projekt „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ dieses Treffen organisiert und z.T. finanziert hat.

In diesem Sinne haben sich die Rahmenbedingungen seit den letzten Versuchen, die Gemeinschaftsszene zusammenzubringen und in eine stetige Vernetzung zu führen, deutlich verändert.  Nicht nur, dass uns jetzt finanzielle Mittel für diese Vernetzung zur Verfügung stehen, auch der „Zeitgeist“ hat sich gewandelt, und die Bedeutung der Vernetzung von Gemeinschaften gerade auch im Hinblick auf eine gemeinsame Öffentlichkeit und Partizipation auf der politischen Bühne hat so weit an Fahrt gewonnen, dass sich an diesem 2. Novemberwochenende 2013 über 45 Menschen (es wollten über 60 Menschen kommen) zusammengefunden haben um über die Bildung eines deutschen/deutschsprachigen Gemeinschaftsnetzwerkes nachzudenken und gemeinsame Synergien und Projekte auszuloten. 

Die Stimmung war phantastisch, die gegenseitige Inspiration und die Fülle an sehr verschiedenen Gemeinschaften/ihrer Delegierten überaus spannend und bereichernd. Wir haben viel gelacht, gesungen, gespielt und natürlich auch „gearbeitet“.

Der Samstag begann mit inspirierenden Kurzvorträgen von Jonathan zu unserem Projekt „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ und einer Präsentation über das „Global Ecovillage Network“ sowie einem Skype-Vortrag von Robert Hall (GEN) zu der (politischen) Bedeutung der Vernetzung von Gemeinschaften und dem Aufbau eines nationalen Netzwerkes. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit einer starken eigenen Identität der Ökodörfer auf nationaler Netzwerkebene, um dann mit anderen Netzwerken und Institutionen in Kontakt treten zu können. Laut Robert Hall hätten die Ecovillages durch ihren holistischen, gesamte Gesellschaftsthemen abbildenden Charakter eine Besonderheit gegenüber anderen Bewegungen, die sie als Stärke in den gemeinsamen Dialog mit einbringen und herausstellen sollten.

Und schließlich gab es an dem Tag noch einen Impulsvortrag von Ina Meyer-Stoll (ZEGG) über das Projekt „Ecovillages“ (http://gen-europe.org/activities/projects/ecovillages/index.htm). Die Auseinandersetzung mit den folgenden Themen in Open-Space-Gruppen zeigte die lebendige Vielfalt der Interessen und Aktivitätsbereiche:

 

  • Digitale Vernetzung (IT)
  • GEN-Vernetzung
  • Forschungsgruppe Reallabore, Pioniere des Wandels
  • Absicherung im Alter
  • Entscheidungsfindung
  • Einstieg und Ausstieg von Gemeinschafts-Mitgliedern
  • Privatbesuche/Gemeinschaftsbesuche
  • Sammeln von Gemeinschaftsliedern
  • Äußere und innere Transition
  • Gründung der freien Schule am Tempelhof

 

Die Ergeb-/lebnisse wurden dann im Plenum geteilt.

Dabei wurde immer wieder klar, wie bereichernd es ist andere Gemeinschaftsstrukturen und Erfahrungen kennen zu lernen. Wie viel man voneinander lernen kann und dass jeder seinen ganz persönlichen Erfahrungsschatz mit nach Hause in seine Gemeinschaft nehmen kann.

Wir haben parallel zur Konferenz auf einem schwarzen Brett Angebote und Wünsche von von den Gemeinschaften gesammelt, damit schon direkt beim Treffen Austausch von Informationen, Ressourcen und Dienstleistungen entstehen kann. In einer Tour, die 2014 stattfinden wird, werden Leute mit Bussen von Gemeinschaft zu Gemeinschaft fahren und auf dem Weg überflüssige Ressourcen und Leute einsammeln die in der nächsten Gemeinschaft gebraucht werden. Aus dem Austausch soll ein regelmäßiger Selbstläufer werden, der die Gemeinschaften physisch miteinander verbindet. Wenn ihr mit eurer Gemeinschaft oder als Person dabei sein wollt, dann schickt eine Mail an: community-tour(at)ecobasa.org

An weitere Ideen und Projekte wurden gesponnen.  Um die verbindende Kraft von gemeinsamen Liedern, die in Gemeinschaften gesungen werden und den Austausch zwischen Gemeinschaften weiter zu fördern werden wir eine gemeinsame Liedersammlung anlegen, z.B. auf:

https://ecobasa.org/wiki/community-songs

Die Idee der Gründung eines deutschen/deutschsprachigen Gemeinschaftsnetzwerkes hatte so starke und deutliche Resonanz bei allen Anwesenden, dass ein weiteres Treffen zur Vorbereitung der Gründung dieses Netzwerkes für das 3. Februarwochenende 2014 vereinbart wurde. Eine Vorbereitungsgruppe ist jetzt fleißig dabei dieses Treffen, das wieder im Schloss Tempelhof stattfinden wird, vorzubreiten. Es bleibt also spannend!

Die deutschsprachige Gemeinschaftsszene rückt zusammen und steht kurz vor der Gründung eines nationalen/deutschsprachigen Netzwerkes unter dem Dach des Global Ecovillage Network um auch ihrem politischen Auftrag, den Wandel der Gesellschaft aktiv zu gestalten und daran mitzuwirken mehr politisches Gewicht und Gestaltungskraft zu verleihen.

Im nächsten Rundbrief werdet ihr erfahren wie es weitergegangen ist :-).

Aktuelles

02.03.2016 Google Impact Challenge Trostpreis

Danke an Alle, die für uns gestimmt haben. Auch wenn es leider nur zum Trostpreis gereicht hat.

19.02.2016 Ecobasa und NextGEN – Ein neues Projekt in Spanien blüht auf!

Youth Rejuvenating Communities - Frischer Wind für Gemeinschaften

19.02.2016 Frekonale e.V.

Das green net project nimmt fahrt auf und ist dabei eines organisationsübergreifendes Netzwerk zu bilden.