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18.11.2014

Grundlagen der Gemeinschaftsbildung, Teil 3, 13. November, Berlin

Von: Kariin Ottmar

In der nun abgeschlossenen 3-teiligen Berliner Abendworkshopreihe haben sich die Teilnehmenden auf eine Lernreise begeben, um gemeinsam zu erkunden, ob und wie die Erkenntnisse aus Ökodörfern und das Ökodorfkonzept auch erfolgreich auf Städte/städtische Projekte übertragen werden können. Dabei hat uns besonderes die Frage beschäftigt, was insbesondere Gemeinschaftsinitiativen und Gemeinschaften in Gründungen aus diesen Erkenntnissen lernen können.

Der dritte Teil dieser Reihe fand am 13. November 2014 wie schon die ersten beiden Workshops im Raum YUNUS im Gotischen Saal in Berlin-Kreuzberg statt.

An diesem letzten Abend dieser Workshopreihe haben sich 20 wissbegierige Menschen eingefunden, wobei nur wenige bereits an Teil 1 und/oder Teil 2 der Reihe teilgenommen hatte, allerdings die Hälfte an unserer Abschlusstagung „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ in der Vorwoche.
Im Gegensatz zu den anderen Abenden waren dieses Mal auch fast alle Teilnehmenden Mitglied einer Gemeinschaftsinitiative und/oder konkret auf der Suche nach Gleichgesinnten, Vernetzung und einer Gemeinschaft-/-sinitiative.

Der Abend begann mit einem Kennlernspiel („Everybody who“) und einem Warming-up mit Zwiegesprächen zu den Fragen - „Was ist dein schönstes Bild von einem gemeinschaftlichen Leben?“ +  „Was sind für dich die größten Herausforderungen beim gemeinschaftlichen Leben?“.

Dadurch wurde der Gemeinschaftskörper bereits deutlich aufgewärmt und eine lebendige und freudige Atmosphäre breitete sich aus. Somit konnte die Gruppe gleich an sich selbst die Erfahrung eines Beginns eines Gemeinschaftsbildungsprozesses (an einer Gemeinschaft auf Zeit) machen. Eine Grundlage zum weiteren Gemeinschaftsaufbau war gelegt und der Vertrauensraum bereits am Wachsen.

Um die Teilnehmenden, die zum ersten Mal teilnahmen mitzunehmen, sammelten wir zunächst ein, was in den ersten beiden ersten Workshops vermittelt wurde. Da die beiden ersten Termine bereits über 6 bzw. vier Monate zurücklagen, war dieses gemeinschaftliche Zusammentragen und Erinnern auch für diejenigen, die bereits dort teilgenommen hatten, eine willkommene Auffrischung und ermöglichte den neu Hinzugekommenen einen leichteren Einstieg.
Zum Auffrischen gehörte auch über das Projekt „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ und GEN (Europe + Deutschland) zu sprechen, in dessen Rahmen dieser dritte und letzte Workshop stattfand. So war der Einstieg auch die Erinnerung an das Nachhaltigkeitskonzept der Ecovillages mit seinen vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (siehe Photo), zu dem wir im ersten Workshop im April intensiv gearbeitet hatten (siehe auch den Bericht unter folgendem Link: gelebte-nachhaltigkeit.de/aktivitaeten/archiv/archiv/index.htm)

Im zweiten Teil im Juni ging es dann schwerpunktmäßig um die Einführung in die Grundlagen der Gemeinschaftsbildung als Teil des Erfahrungswissens, das in Ökodörfern im jahre- und jahrzehntelangen gemeinschaftlichen Leben entwickelt wurde. Dieses Wissen kann im Nachhaltigkeitsmandala der Dimension des Sozialen zugeordnet werden.

Das Thema Gemeinschaftsbildung ist ein sehr großes und zentrales Thema im Aufbau von Gruppen und Gemeinschaften und im gemeinschaftlichen Leben. Es ist so groß, dass selbst ein ein- oder zweiwöchiges Seminar bei weitem nicht ausreichen würde, um alle Themen und Möglichkeiten zu erfassen und auszuprobieren und ist selbst auch für bestehende Gemeinschaften ein „lebenslanges“ Thema, das nie „erledigt“ ist. Im Gegenteil ist es ein Thema, das immer wieder mehr oder weniger viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – auch in bestehenden Gemeinschaften - braucht.
Insofern ist bereits von Beginn des Workshops an klar, dass an diesem vierstündigen Abend nicht annähernd alles vermittelt werden kann, was zu diesem Thema gehört. Der Abend hat eher die Intention, den Interessierten eine Ahnung von der Größe und Tiefe dieses Themas zu geben und erste Anregungen und Erfahrungen zu vermittelt, was grundsätzlich zu beachten ist. So war der Abend denn auch grundsätzlichen Überlegungen und Erfahrungen zur „Natur der Gruppendynamik“ und strukturellen Themen und Herausforderungen beim Aufbau von Gruppen und Gemeinschaften gewidmet.

Gestartet sind wir mit den „6 Wegen strukturelle Konflikte zu vermeiden“ nach Diana Leafe Christian, welche bereits im Juni Thema waren. Aus ihnen wird ersichtlich welche grundsätzlichen strukturellen Themen beim Gemeinschaftsaufbau existieren und entsprechend proaktiv angegangen werden müssen, um handfeste Konflikte zu vermeiden. Ergänzt wurden diese mit unseren Empfehlungen der „Schritte zum Gemeinschaftsaufbau (siehe Photo)“ des Hand-in-Hand-Gemeinschaftsberatungsteams (www.gemeinschaftsberatung.de).

Weiter ging es mit dem ICH-WIR-ES-Modell der TZI (Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn), das die Teilnehmenden als ein Diagnoseinstrument für ihre Gruppe einsetzen können. In einer ersten Übung konnten die Teilnehmenden erspüren, an welchem Platz innerhalb der Workshopgruppe sie in diesem Moment verortet sind. In einer zweiten Übung ging es um die Übertragung auf ihre Gruppe. Entsprechend standen in der zweiten Übung mehrere an ganz anderen Orten. Im gemeinsamen Zusammentragen entspannen sich erste Erkenntnisse, was dies für die Einzelnen für den (Entwicklungs-)Stand (in) ihrer Gruppe bedeutet.
Die intensive Erfahrung dieser Übung wurde in 2er Gruppen ausgetauscht und integriert.

Anschließend widmenten wir uns dem Zusammentragen grundsätzlicher struktureller Themen entlang der ICH-WIR-ES-Entwicklung eines Gruppenbildungsprozesses. Diese Themen, können, wenn sie nicht gelöst werden, schnell zu strukturellen Konflikten werden, mit dem ihr eigenen Erleidensprozess. Die Teilnehmenden wurde somit angeregt, diese strukturellen Themen proaktiv aufzugreifen. Ergänzt wurden diese Überlegungen durch die Vorstellung der Phasen der Gruppenentwicklung nach Tuckman (siehe Photo: Forming, Storming, Norming, Performing). 

Nach einer ausgiebigen Pause, die intensiv zur Vernetzung genutzt wurde, hatten die Teilnehmenden dann in Kleingruppen Gelegenheit ihre derzeitigen Gruppenprozesse (zu Hause) genauer unter die Lupe zu nehmen und strukturelle Themen und ggf. Konflikte zu identifizieren, die in der Gruppe schwelen oder bereits „heiß“ geworden sind.

Anschließend wurden diese Themen der Kleingruppen wieder ins Plenum getragen und gesammelt. Dabei zeigten sich einige ähnliche Themen, mit denen sich alle Gruppen beschäftigen.

Schließlich wählte die Gruppe ein Thema zur Bearbeitung aus: Kinder.

Eine Teilnehmerin, welche das Thema eingebracht hatte wurde aufgefordert im Innenkreis, der zu einem Fishbowl arrangiert wurde, Platz zu nehmen und ihr Thema darzulegen. Weitere drei TeilnehmerInnen wurde gebeten sich mit in den Innenkreis zu setzen, wenn sie dieses Thema bewegt. Daraus entspann sich für eine halbe Stunde ein intensiver Dialog über das Thema Kinder – ihre Integration in die Erwachsenenwelt, oder auch nicht...

Es zeigten sich verschiedenste Dimensionen dieses Thema und vor allem, wie sehr dieses Thema ganz grundlegende Werte der Menschen zum Schwingen bringt. Erste Ideen, Ansatzpunkte und Lösungsmöglichkeiten und Blickwinkel wurden sichtbar und warten ganz sicher auf eine weitere Bearbeitung in den jeweiligen Initiativen.

Den schönen und intensiv Abend rundeten wir mit einer Abschlusskreis ab.

Weitere Abende zu diesem Thema oder auch Workshops und Seminare könnten folgen, allerdings nicht mehr im Rahmen dieses Projektes, das mit diesem Abend seinen letzten Workshop veranstaltet hat. Wen dieses Thema interessiert und weitere Workshops und/oder Seminare dazu besuchen möchte melde sich bitte bei Kariin: kariin(at)gen-europe.org

Weitere Fotos und Dokumentation: http://imgen.ecovillage.org/index.php/GEN-Europe/Modelle-gelebter-Nachhaltigkeit-Workshops/Gemeinschaftsbildung-Berlin

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